Ich bin wieder in Indien. Und jetzt, nach einigen Tagen Chaos und schoenem Wetter bin ich auch wieder mental angekommen. Und solangsam fuehlt es sich wieder wie Heimat an. Deutschland ist weit weg in meinen Gedanken. Ich werde wieder uebers Ohr gehauen, esse tolle Dinge, das Wetter spielt keine Rolle, Gehupe ist voellig normal, und die Tastatur hat kein ue usw. : ) Ja ich bin wieder in Indien!
Im Gegensatz zur letzten Rundreise hatte ich schon eine Menge tiefer Gespraeche mit Indern. Ich bin offener und gelassener geworden, habe meine innere Mitte schon laengst gefunden, gott sei dank! Aber jetzt mal ganz von vorne:
Nur knappe 7 Stunden dauerte der Flug. Wir hatten Rueckenwind und hatten tatsaechlich eine Spitzengeschwindigkeit von 1142 km/h. Der Lufthansaflug hatte eine gute und eine schlechte Seite, so wie alles auf der Welt. Gut waren die kostenlosen alk. Getraenke, die ueberaus grosse Porgrammauswahl am Sitzmonitor und das freundliche Personal. Sschlecht hingegen, dass es sehr eng zuging, neben mir ein stinkender alkoholisierter Inder sass, und ich kein Auge zutun konnte obwohl ich auch die letzte Nacht nicht geschlafen hatte. Doch die Vorfreude auf Indien erhielt meine Laune, und ich wusste vieles wird so stressig wie dieser Flug und Ich schmunzelte.
In Delhi checkten wir ins Hotel Namaskar ein, Sarah und Katja werden das sicherlich noch ganz genau kennen. Und so wie die beiden Nachts dort ankamen, so sah auch Marco zum ersten mal diese so komplett andere Welt. Erster Eindruck: Hunde, Dreck, stickige Luft und fehlende Strassenbeleuchtung und der Gedanke “ach du scheisse, wo bin ich hier gelandet!” Aber dann am Morgen: “Saubere” Strassen und das pure Leben in allen Ecken
Erster Tag in Delhi
Wir trafen 5 Maedchen, 2 davon kannte ich durch Marco schon aus Deutschland. Eine davon war wie ich 1 Jahr mit weltwaerts in Indien. Eine wohnt ueber Marco in einer WG in Halle. zu siebt ging es dann los zum shoppen, essen und wieder shoppen. Wir besichtigten nur Humayuns Tomb, was ich schon kannte jedoch ist dies ein perfekter Ort um vom Chaos in Delhi zu entspannen. Interessant wurde besonders der zweite Tag:
Zweiter Tag in Delhi
Kata (die exweltwaertslerin) organisierte ein Treffen mit einem ehemaligen Strassenkind ueber eine gemeinnuetzige Organisation namens Salaam Baalak Trust. Diese holt Strassenkinder besonders von Bahnhoefen aus ihrem wirklich richtig beschissenen Leben heraus und bietet ihnen ein Dach ueber dem Kopf, Bildung und Moeglichkeit Geld zu verdienen. Leider habe ich den komplizierten Namen von ihm vergessen. Jednfalls zeigte er uns die Einrichtung und wir kamen in Kontakt mit den aufgesammelten Strassenkids.
Seine Lebensgeschichte erfuhren wir sehr detailiert und ich hatte noch nie so eine so schlimme und traurige Geschichte gehoert. Sein Leben wurde bestimmt duch Drogen, versuchten Selbstmord, einem Vater der seine Frau (also seine Mutter) getoetet hatte, einem blinden Bruder der noch in dieser qualvollen Familie lebt. Durch Flucht und staendige Reise von einem Bahnhof zum naechsten. Er hatte Angst nach Hause zurueckgeschickt zu werden, Angst, dass zwilichtige Gestalten ihn verstuemmeln und ihn losschicken zum betteln. Er kaempfte mit sich selbst sich nicht vo den naechsten Zug zu schmeissen. Eines Tages jedoch hielt eine Frau in einem weissen Wagen an. Viele Strassenkinder standen dort. Sie erzaehlte ihm was ihm alles erwarte wenn er mitkommt und sie wuerden ihn nicht sofort zu seiner Familie schicken. Auf diese Zeit folgte nun eine bessere doch bei vielen Kindern ist sie trotz der Hilfe der Org. noch gepraegt von Drogen und Glueckspielen. Alles geld was verdient wurde wurde sofort ausgegeben. Auch er schwaenzte jeden zweiten Tag die schule und gab sein Geld, welches er fuer den Bus zur Schule bekam aus fuer Spiele Im Internet. Er versuchte einfach nur jeden tag zu geniessen, und keinen Gedanken an Morgen zu verschwenden. Doch viele Strassenkinder, so auch er, haben es geschafft. Sie sind etwas geworden. Mit Stolz zeigte er uns in seiner Einrichtung Bilder von ehemaligen Strassenkindern, auf denen man nicht erkennen konnte das diese jemals auf der Strasse gelebt hatten. Der eine wurde ein kleiner Bollywoodstar, der andere ein Topmanager der indischen Eisenbahn. Viele leben nun in der USA um zu studieren. Hier ein Bild von den jetzigen Strassenkindern die aufgesammelt wurden und nun ein etwas mehr geordnetes und gesichertetes Leben haben:
Das Tagesende wurde ganz besonders spannend. Wegen Stau kamen wir erst verspaetet im Hotel an um unsere Sachen zu holen. Dummerweise stand auf dem Zugticket nicht der Abfahrtsbahnhof an den ich zuvor gedacht hatte. Dieser waere, wie 2 Jahre zuvor nur ein par Schritte vom Hotel entfernt gewesen. Nein wir mussten 7 km weiter zur Old Delhi Railwaystation. Diese Neuigkeit erfuhr ich vom Hotelmanager der nur meinte: “You have to leave now! … (kurze Pause und eine erneuter Bkick auf die Abfahtszeit) …Immediately!!!” Zum Glueck trafen wir auf einen besonders waghalsigen Rikschafahrer der die Herausforderung annahm. Und er hatte beim Teufel eine verdammt gute Rikscha : ) Am Ende kamen wir eine halbe Stunde zu frueh an
Die erste Zugfahrt nach Jaisalmer wurde stressig. Der eigentliche Espress wurde zum Passenger, was soviel heisst wie, er haelt ueberall und es duerfen so viel einsteigen wie nur geht. Auch eine Folge des Bevoelkerungswachstumes. Erst ab Rivali wurde es leer in den Gaengen, der Schlaf jetzt moeglich. Wie immer buchte ich die upper berth Variante um oben in den Betten ruhig dahindoesen zu koennen. Leider wurde es Nachts kaelter als gedacht. Nordinden im Winter ist kein Zuckerschlecken. Eine lange Hose, ein Pullover, 2 T Shirts und eine Jacke sowie ein seidenschlafsack reichten Nicht! Unfassbar!
Jaisalmer und die Wueste
Nur einen einzigen Tag verbrachten wir direkt in dieser goldenen Stadt. Sie wird goldene Stadt gennant, da ihre wunderbar detailierten Haeuserfassaden aus gelben Steinen erbaute worden sind (aus der Umgebung), welche Abends im Sonnelicht goldig scheinen.
Die Stadt ist relativ eng gebaut, ruhig und klein. Eine wilkommene Abwechslung zu Delhi. Die Stadt ist wirklich sehr sehr schoen! Es gibt viel Bunte Shops und interessante kleine Laeden. Ich glaub Sarah kann ein Lied von Singen, sie war schonmal hier. Und da sie davon schwaermte war mir klar, diese Stadt musste besucht werden! Das beste an der Stadt ist der Ausblick hoch oben vom Palast und der kleinen eigene Stadt auf diesem Berg. Durch Zufall kamen wir zu einem einzigartigen Ort: Hare Om Jewellerie. Wir standen oeben an der Mauer und genossen den Ausblick als wir in ein Gespraech mit einem sehr netten Inder verwickelt wurden. Seine Familie steht im Guiness Buch und das zurecht. Sein Vater ritzte in ein Reiskorn die drei Goetter Vishnu Shiva und Brahma, ein einzelnes Haar Lord Krsna. Er machte uns Chai und zeigte uns dann tatsaechlich das Reiskorn und das Haar. Und unfassbar, er hatte recht. Ich konnte erst nicht glauben das dies moeglich sein kann! Das eigentliche Haupthandwerk der Familie sind Silberringe. Doch nicht ganz gewoehnlich sondern RInge mit sehr sehr sehr detailierten Einkerbungen. Auf einem einzelnen Ring zum Beispiel waren ca. 10 grosse Sehenswuerdigkeiten der gesamten Welt eingeritzt, und zwar so detailiert, dass man sofort erkennen konnte was es fuer eine ist. Es gibt sogar menschen die von Australien oder USA extra nach Indien reisen um in diesen Shop ihren individuellen Ring abzuholen. Viele benutzen ihn dann als Hochzeitsring! Eine sehr kreative Idee! Wenn es dann keine Liebe ist… Ich habe mir vorgenommen, fals ich tatsaechlich eine Weltreise mal mache, zum schluss der Reise zu disem Shop zu gehen und die wichtigsten Orte dieser Reise in diesen Ring eingravieren zu lassen. Es gibt keine andere Familie auf dieser Welt die dieses Handwerk beherrscht. Wir quatschten mehrere Stunden bis die Sonne unterging. Danach holte ich zwei wunderschoene Wandteppiche. Nicht fuer mich, sondern fuer zwei Geschoepfe, die Indien genauso lieben wie ich : ) Ich hoffe es gefaellt euch! Ich hab keinen Milimeter Platz mehr im Rucksack, ich muss mir noch irgendwas einfallen lassen wenn ich noch mehr kaufen moechte.
Die beiden anderen Tage verbrachten wir in der Wueste und auf dem Weg dorthin. Eigentlich war auch der Weg dorthin Wueste aber am Ende stand ich tatsaechlich auf richtigen Sandduenen nahe der pakistanischen Grenze, einige dutzend Kamelkilometer entfernt von Jaisalmer. Wir kamen durch total zerfallene und nicht merh vorhandene Doerfer. In einem noch belebten Dorf fragten mich 4 Maedchen nach Kugelschreiber fuer die Schule, ich gab ihnen alle meine 2 Kugelschreiber, ein Maedcehn weinte, es bekam nichts, ich hatte leider keine vier : ( Sie bekamen noch deutsche Extra Kaugummis, aber scheinbar waren die Kugelschreiber von essentieller Bedeutung und viel mehr wert.
Auf einem Kamel zu reiten kann ganz schoen anstregend sein, trotzdem ist es ein einmalige Gefuehl. Mein Kamel hatte Probleme beim hinsetzen, es schien ein altes zu sein. Wir waren zu acht. Es kamen noch mit: 2 Hongkongnesinnen, 3 Suedkoreaner und ein Oesterreicher. War ne lustige Truppe. nach Stundenlanger Kamelitaeten erreichten wir die nicht-touristischen Duenen von Irgendwo mitten in Nirgendwo nahe der pakistanischen Grenze. Dennoch sah man von hier immernoch viele Lichter am Horizont. Ganz abgeschieden waren wir nicht und auch die Wueste war sehr sehr ueberschaubar. Wir machten Feuer, ich zeigte Suedkoreanern wie man grillt (lol) und dann legte ich mich auf eine Duene und schaute in den unglaublich klaren Sternenhimmel. Marco Ich und Daniel (der Oesi) sahen eine unglaublich grosse Sternschnuppe, man sah den Feuerball als der Meteorit vergluehte, noch nie sowas gesehen. Zu dem konnte man gut den Mars sehen. Die Nacht unter freiem Himmel war sehr sehr kalt, ich denke maximal 5 bis 8 grad warm. Wir hatten mehrere warme decken, ich hatte alle meine sachen an und es hatte gerade so gereicht. einige Inder, die die Kamele fuehrten kochten uns essen, es war immer das gleiche aber es war sehr lecker. Auf dem Rueckweg hoerte ich Enya und Katie Melua auf meinem Kamel, unglaubliche Stimmung kam da in mir auf. Es ist wirklich ein tolles gefuehl auf einem Kamel mitten in der Wueste Musik zu hoeren : )
Jetzt bin ich in Jodhpur. Wir waren auf der grossen Festung, die noch um einiges hoeher als der Palast von Jaisalmer ist. Diese Festung uebertrohnt die gesamte Stadt. Sie wird auch die blaue Stadt gennant, und tatsaechlich gibt es Viertel in denen 70 Prozent der Haeuser blau sind. Wir besichtgten die Gemaecher des Koenigs und der Frauen und sonstiger sachen dort, ich sah das Schwert von Akbar, von den ich schon einen tollen Bollywoodfilm gesehen hab. Er war der Mogulherrscher, welcher ganz Nordindien unter seine Hand brachte und die Religionen “vereinte”. Wir machten eine Audiotour mit und haben echt viel von der geschichte dieser Festung mitbekommen. Mein naechsten Bericht gibt es wieder in ca. einer woche, vllt schon in Goa, spaetestens jedoch kurz vor den Andamanen, vllt sogar geh ich dafuer in das Internetcafe, in welches ich immer in Kuilapalayam nahe Auroville gegangen bin : )
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