Die Hinfahrt
Am 15.4 habe ich das erste Mal die 100 km – Marke geknackt. Es ist zwar nur eine Zahl aber auch eine psychologisch wichtige Grenze die Selbstvertrauen für weitere Touren und vor allem für Spanien gibt. Trotzdem ist das nur eine kleine Hürde die ich da überwunden habe. Die nächste Herausforderung, die ich mir zu Ostern stellen werde, ist wesentlich wichtiger und aussagekräftiger: Schaffe ich es auch mehrere tage hintereinander mehr als 100 km zu fahren? Aber erst mal ein paar Infos zu der Tour nach Jena bzw. zurück nach Halle ; )
Ich habe gestern die gesamte Strecke bei Google Earth gemessen und kam auf ca. 115 km. Da ich natürlich nicht sehr genau messen kann werden es wahrscheinlich 117/118 km sein. Ich habe genau 10 Stunden gebraucht, davon waren ca. 8 1/2 Stunden reine Fahrzeit. Meine durchschnittliche Geschwindigkeit betrug damit 14 km/h. Das ist ganz ok, aber noch steigerungsfähig. Allerdings um einiges besser als das letzte Mal wo ich starken Gegenwind hatte und zuvor nichts gegessen hatte (was trotz Zeitmangels sehr fahrlässig war). Diesmal hatte ich 4 Powerriegel, Erdnüsse und 2 L Wasser mitgenommen. Dazu brauchte ich keinen Rucksack da ich nun Packtaschen besitze. Zudem hatten meine Reifen ca. 6 Bar sodass die Voraussetzungen sehr gut waren. Allerdings war das meine erste Tour im neuen Jahr, sodass mehr als 14 km/h nicht drin waren. 16 bis 18 km/h im Durchschnitt wären besser (ohne Einfluss durch Wind).
Die fahrt gestaltete sich zunächst ganz easy, wobei ich jedoch aus versehen eine Zeit lang den Elsterradweg verfolgte und erst mal wieder zurückfinden musste. Eine Frau in einem Mercedes und ein betrunkener Russe mit 2 Hunden half mir weiter. Irgendwann kam ich dann auf eine Baustelle, wo eine ICE-Trasse gebaut wurde. Dort fragte ich ein Bauarbeiter, der mir empfahl, wenn die Trasse fertig ist, mal mit dem ICE drüber zu fahren^^. Der Bauarbeiter lotste mich auf den richtigen Weg der ganz in der Nähe war. Schließlich wusste ich wieder wo ich bin da ich ja schon einmal den Weg verfolgte.
Kurios wurde es allerdings in einem Dorf hinter Merseburg. Ich sah dort zum erneuten mal das selbe Postauto mit der selben blonden etwas dickeren Frau am selben Haus Post verteilen, wie schon einmal im Herbst. Auch an Bahntrassen traf ich die selben Züge am selben Ort wie zuvor. Ich schaute dann mal auf die Uhr und erkannte das ich genau zur selben Zeit auf die Minute die Strecke entlang fuhr wie im Herbst. Unterwegs begegnete ich noch einem Reh was sehr schnell über eine Wiese raste. Ansonsten gab es nur noch eine Kuriosität. Ich begegnete einem Mann auf einem Rad der mir sehr schnell entgegen kam und der mir sehr bekannt vorkam. Denn ich hatte ihn eine Stunde zuvor schon einmal gesehen, da fuhr er auch sehr schnell, und das kuriose ist, er kam mir auch hier entgegen! Ich rätsel bis jetzt wie er das gemacht hat. Er muss verdammt schnell einen Rundkurs in der Umgebung gemacht haben. Als ich ihn zum zweiten mal traf lachte er mich an mit einer Mine die erkenne ließ, dass er wusste wie erstaunt ich gewesen sein musste.
Meine Kondition kann man ganz gut in einer Kurve beschreiben. Der Graph fängt ganz weit oben an und bleibt für ca. 1 Stunde konstant, dann sinkt er rapide ab und bliebt für weitere 3 Stunden da unten liegen bis er schließlich langsam linear ansteigt um am Ende der Reise bei den letzten 5 km exponentiell anzusteigen. Schließlich hatte ich am Ende wieder fast 3/4 der Kondition die ich am Anfang hatte. Ich muss wohl so bei Kilometer 60 eine Art Grenze überschritten haben an der sich mein Körper an die harte Tour gewöhnt haben muss, wahrscheinlich wirkten auch dort die Powerriegel und Erdnüsse endlich am besten.
Auf dem Weg begegnete ich eigentlich nur 2 richtigen Hindernissen. Das eine war 120 m höher und musste überwunden werden (Rudelsburg). Und das zweite war ein überschwemmter Teilabschnitt des Saale-Rad-Wanderweges vor Leißling (5km vor Naumburg). Man musste dort auf einen schwierigen Waldweg am Berghang ausweichen. Dort traf ich einen Mann der sich darüber fürchterlich aufregte, anstatt einfach zu akzeptieren das die Natur macht was sie will.
Hier die Route mit Höhenprofil:

Die Rückfahrt
Am Sonntag, also 2 Tage später fuhr ich mit dem Zug nach Naumburg um dann von dort aus zurück nach Halle zu fahren. Diese knapp 70 km schaffte ich diesmal in 4 Stunden 20 min. Das heißt ich hatte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 16 km/h, also ganze 2 km/h schneller. Das klingt nicht viel, ist es aber. Ich fühlte mich sehr gut, meine Kondition hatte sich jetzt schon verbessert und ich spürte nur die letzten 10 km einen leichten Abfall und schließlich die letzten 2 km einen starken Abfall meiner Kondition. Ich hatte riesen Hunger und haute mir dann erst mal eine Pizza neben an bei Yilgrim Döner rein. Ich traf nur eine Kuriosität. Als der Radweg über eine Eisenbahnbrücke ging sah ich unten in der Saale einen gelben Sessel schwimmen.
Fazit
Wenn ich jetzt auf die Tour zurückblicke hat sie sich sehr gelohnt. Das Wetter spielte mit, ich habe meine Kondition um einiges verbessert, bin zum ersten Mal über 100 km gefahren und an einem Wochenende sogar fast 190 km. Aber nicht nur das fahren an sich hat mir Spaß gemacht, auch das Treffen und reden mit vielen weiteren “Radreisenden” sowie die Landschaft und die Stille im Wald oder der Ausblick auf die unendliche Weite, wenn man entlang von Feldern fährt (auch wenn ich oft viele Strommasten und Schornsteine sehen musste, besonders in Leuna^^)
Unterwegs im Zug nach Naumburg habe ich sogar eine 24 jährige kennengelernt, die Auroville kannte und auf ähnliche Weise denkt wie ich. Sie war 3 Monate in Costa Rica und in Spanien bei einer Baumschule. Sie hat Forstwirtschaft studiert in Eberswalde, das was ich auch einst machen wollte. Ich erzählte ihr von Indien und meinem Sommerziel Spanien. Sie war ganz hin und weg. Wir tauschten E-mail Adressen aus und ich bat sie mir bescheid zu sagen falls einer ihrer Freunde vllt Lust hat mit mir nach Spanien zu kommen.
Reisen öffnen einem nicht nur das Herz und reinigen mit Hilfe der Natur die Seele sondern auf einer Reise gibt es ein Kommen und Gehen von vielen Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten und Gefühlen, die einem selbst zum nachdenken anregen. Die Erinnerung an diese Menschen bleibt, sie sind wie in einem Traum, in der es keinen Egoismus, keine Selbstdarstellung und keine Hass gibt. Diese Begegnungen sind wie Sternschnuppen, man weiß sie werden wieder sehr schnell verschwinden und doch geben sie einem das Gefühl von Glück, immer wieder. Wer das versteht spürt in sich auch ein Reisefernweh, die Sucht nach Sport und der Entdeckerdrang tun ihr übriges um einen normalen Menschen zu einen immerwährenden Freund der Reise zu machen.
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